Vater sein bedeutet, Vorbild zu sein. Sicherlich ist das manchmal nicht einfach, öfter als gewünscht spiegelt das Verhalten der Kinder die Wahrheit: dass eben nicht alles gelingen kann.

  • Dass Erziehung durch die Vorbildfunktion nicht immer so einfach ist, wie es klingen mag.
  • Dass besonders wir Erwachsene uns vielleicht den einen anderen Gedanken in die falsche Richtung machen.

In meinem Alltag mit den Kindern spielt aktuell das Thema “Bitte & Danke” eine etwas stärker betonte Rolle. Und ja, ich gestehe: auch mir war das unsäglich idiotische “Wie sagt man” das erste und letzte Mal herausgerutscht — die Reaktion der Kinder kam umgehend. Ungeachtet dieses Ausrutschers möchte ich gerne mit gutem Beispiel meinen Kindern vorangehen und den beiden eben nicht vorschreiben, welchen Floskeln sie zu welchem Zeitpunkt zu sagen haben, sondern durch mein eigenes Verhalten die Werte vermitteln, die mir wichtig sind.

Neulich wurde mir an einem gemütlichen Abend ein Verhalten gespiegelt, an welches ich gar nicht gedacht hatte. Ein Kommentar, den ich so nicht erwartet hatte, der mich stark ins Grübeln brachte und den ich gerne mit den anderen Vätern und Müttern teilen möchte:

“Sag mal, findest du es nicht auch erschreckend, dass wir Menschen zueinander höflich sind, du zu [deinem HomePod Mini] Siri aber niemals Bitte und Danke sagst Das schnappen die Kinder doch auf.“

Eine interessante Frage. Wenn ich so darüber nachdenke klingen Sätze wie „Hey Siri, kannst du bitte die Lautstärke erhöhen?” oder “Hey Siri, könntest du bitte Bleed from Within spielen, wenn es dir keine Umstände bereitet?” einfach merkwürdig.

Aber was, wenn Kinder anwesend sind? Differenzieren meine Töchter zwischen dem Umgang untereinander und mit anderen Menschen und dem Umgang mit Siri? Was ist Siri überhaupt für die beiden? Ein Lebewesen? Eine Frau am anderen Ende der Leitung?

Letztendlich ist es egal, ob Siri für meine Töchter Magie, eine Frau, die am Telefon sitzt, ein Zauberwesen oder ein Roboter ist, was im Alltag zählt, ist mein Umgang mit diesem Sprachassistent. Nicht falsch verstehen. Es geht mir nicht darum, Kindern ein Vorbild im Umgang mit Maschinen zu sein, ebenfalls geht es mir in diesem Post nicht um mediale Erziehung.

Der Sprachgebrauch ist allerdings entscheidend. Der Wunsch meinen Kindern den Mehrwert von Höflichkeit zu vermitteln, wird unterwandert, wenn ich meine Ausdrucksweise nicht anpasse. Selbstverständlich ist Siri nur eine Maschine. Aber wie bei jeder Technologie, die Menschen imitiert, muss ich mir auch hier die Frage stellen: Wie nehmen meine Kinder diese Technologie wahr?

Ich für meinen Teil werde die kommende Zeit versuchen, höflicher zu Siri zu sein. Und vielleicht regt dieser Artikel auch andere Eltern etwas dazu an, über ihren bewussten Umgang mit menschen-ähnlicher Technologie in Anwesenheit der Kinder noch einmal nachzudenken.